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Einführung in die Meditation

Emotionen, Gefühle und Empfindungen

Wie verbinden wir uns mit den Gefühlen?

Das Üben mit einem Mantram

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Zeitintensive Meditation

Die Erdung

Meditation in Alltagssituationen

 

Emotionen, Gefühle und Empfindungen

 

Mir fällt oft drastisch auf, dass kaum ein Mensch einen Unterschied zwischen den drei Bereichen Emotion, Gefühl und Empfindung in sich macht. (Vielleicht ist es hier besonders wichtig noch einmal darauf hinzuweisen, dass so gut wie alle Artikel dieser Webseite aus meinen eigenen subjektiven Erfahrungen stammen; so auch diese eben erwähnte Unterscheidung.)

Jeder spricht von Gefühlen: „Nach meinem Gefühl ist das so und so.“, obwohl gerade die Gefühle sehr selten wahrgenommen werden. Diese so genannten Gefühle sind meistens Gedanken oder Emotionen, manchmal Empfindungen, aber selten Gefühle. Besonders Männer sind von ihren Gefühlen und sogar von ihren Emotionen häufiger abgeschnitten, als sie glauben. Sie bezeichnen ihre Meinungen oft als Gefühl. Da viele Frauen eher in Kontakt mit ihren Gefühlen sind als die Männer, doch meistens die Emotionen meinen, können in gemeinsamen Aussprachen über ihre jeweiligen „Gefühle“ nur Irrtümer mit verheerenden Folgen für die Beziehung entstehen.

Beispiel: Eine Frau liebt ihren Mann, doch sie ist etwas enttäuscht (sie ist traurig = Gefühl), dass sie nicht genug Anerkennung bekommt. Anstatt nun ihre Traurigkeit zu zeigen, wird sie durch die Enttäuschung zu wütenden Vorwürfen getrieben. (Gerade diesem Mechanismus unterliegen anscheinend besonders häufig die Frauen.) Der Mann spürt (Empfindungsebene) die Emotion (Wut) in der Enttäuschung und reagiert mit rationalen Argumenten. Dadurch wird die Frau noch mehr enttäuscht und reagiert mit noch stärkeren Vorwürfen. Der Mann reagiert nun ebenfalls wütend, usw.

Die Ursache für diese Irrtümer liegt im mangelnden Körperbewusstsein.
Denn diese drei Bereiche – Emotion, Gefühl und Empfindung - sind nur durch das Körperbewusstsein zu unterscheiden.

Ich möchte ihren Unterschied an einem Bild verdeutlichen, das zeigt, wie es ein geübter Mensch wahrnimmt:

Empfindungen sind so flüchtig wie die Luft. Sie sind ständig in Bewegung.

Gefühle sind so fließend wie das Wasser. Ihr fließender Charakter ist das Entscheidende, denn sie wechseln unablässig.

Emotionen sind so grob aber auch kraftvoll wie der Mutterboden. Durch das Erdreich in Verbindung mit Wasser und Luft kann stets neues Leben entstehen.

Ortsbestimmung:
Empfindungen sind in unserem gesamten Körper wahrnehmbar; oft auch darüber hinaus.
Gefühle entwickeln sich nur in der Brust.
Emotionen entstehen im Sonnengeflecht (in Verbindung mit dem Denken), doch die emotionale Kraft lagert tief im Becken.

Je nach Alltagssituation und innerer Befindlichkeit steht in uns einmal die Emotion, dann wieder das Gefühl oder eine Empfindung im Vordergrund. Hinzu kommt, dass alle drei von unseren mentalen Wertungen und Denkschemata fortwährend in Bewegung gehalten werden, sie verändern sich also immerzu – diese Wechselwirkungen sollten wir stets beachten.

Da wir uns in der Regel mit unseren mentalen Vorstellungen und Werten identifizieren – und nicht wahrnehmen, wie diese von den eben erwähnten drei inneren Zuständen bestimmt werden - kommt es häufig vor, dass wir in dem einen Augenblick viel Liebe dem geliebten Partner (der Partnerin) gegenüber empfinden (Gefühl), doch spricht dieser einen für uns unangenehmen Gedanken aus, wechselt das Ganze in uns, und wir denken im nächsten Augenblick an Trennung (Emotion der Wut). Wir haben dabei nicht wahrgenommen, wie unsere tiefere Persönlichkeitsschicht durch den neuen Gedanken von der Gefühlsebene zur emotionalen Ebene wechselte. Emotionen haben nur die Aufgabe, uns zur Flucht zu verhelfen oder einem Angriff die nötige Energie zu liefern. Sie haben mit der Liebe rein gar nichts zu tun. Umso schlimmer wirkt sich aus, dass viele Menschen ihre Partnerschaft von ihren unbewussten Emotionen her bewerten.

Sehr deutlich lassen sich die grundsätzlichen Unterschiede vom Energieaspekt her gesehen darstellen:

1. Emotionen (siehe auch Kapitel „Persönlichkeit“)

Tief im Becken haben wir unsere Urkraft, die Lebenskraft, die Vitalenergie oder wie wir sie auch benennen möchten. Sie wacht mit Hilfe der Sinnesorgane über unser Überleben auf der Erde und steuert uns in kritischen Situationen mit Hilfe der Emotionen – wir nennen dies auch Instinkt. Die Emotionen sind nur Ausgestaltungen dieser Lebenskraft. Besonders deutlich wird uns dies bei kleinen Kindern in der Trotzphase: In dem einen Augenblick schreien sie vor Wut, da sie ihren Willen (Überleben) nicht bekommen, dann weinen sie herzzerreißend (Angst vor Vernichtung ihres Lebens), im nächsten Augenblick fallen die emotionalen Gestalten (Wut und Angst) in sich zusammen, und das reine Gefühl (Aufgehen im Ich-Du) sucht über die Empfindung die Nähe und Verbindung mit den Eltern und will mit ihnen in körperlichen Kontakt zu treten. Nur der konkrete körperliche Kontakt (die Empfindung also) tröstet dann.

Lernt man, die emotionale Kraft tief im Becken wahrzunehmen, so kann sie uns nicht mehr überraschen, und wir nutzen sie zu unserer Reinigung. Wir erlauben ihr dann nicht, sich das Ziel für einen emotionalen Ausbruch, mit Hilfe der Vorstellungen des Gehirns zu holen.

Beispiel für den freien Umgang mit den Emotionen:

Ich war Lehrer für verhaltensauffällige Kinder. Da diese Kinder durch ihre negativen Lebenserfahrungen reine Opfer dieser eben geschilderten emotionalen Mechanismen sind, reichte es nicht, dass ich geduldig ihre Wutausbrüche über mich ergehen ließ. Ich musste die Kinder dort abholen, wo sie waren. Also schulte ich mich darin, meine Vitalkraft (Quelle der Wut) in Sekunden im Becken zu sammeln und bewusst als Wut zum Ausbruch zu bringen. Das hatte zur Folge, dass mich die Kinder ernst nahmen und sich verstanden fühlten. Da ich mich aber hütete, meine mentalen Übertragungen auf die Kinder wirken zu lassen, verflog natürlich sofort meine Wut.

Emotion als Reinigung nutzen

Die Quelle der Emotion ist die Vitalkraft. Diese Vitalkraft lagert im Bereich Damm, After und Steißbein und reicht etwa bis zur Mitte des Kreuzbeines. Werden wir von außen angegriffen, reagiert diese Vitalkraft sofort. (Das Denken ist um ein Vielfaches langsamer.) Sie steigt den Körper aufwärts und aktiviert über das Nervensystem unsere gesamte Muskulatur. Die Muskulatur gerät in Spannung. Sie ist nun bereit zur Tat. Ist die Vitalkraft in der Höhe des Magens (Sonnengeflecht) angekommen, liefert das Gehirn, das von den Sinnen informiert wurde, ein Ziel. Erst im Sonnengeflecht erhält die Emotion ihre Gestalt: Panik, Wut, tiefe Trauer, existenzielle Angst usw. Sind wir unserer Selbst so bewusst, dass wir der aufsteigenden Vitalkraft über unsere Vorstellungen kein Ziel anbieten, bleibt sie Vitalkraft und wandelt sich nicht in Wut. Sie steigt weiter aufwärts – bleibt also in Bewegung – und dieses Fließen reinigt uns von alten Schlacken im Sonnengeflecht, Brustraum, Hals und manchmal darüber hinaus: Der Mensch steht im wahrsten Sinne des Wortes in Flammen. Nun ist er sehr klar, weit und voller Kraft.

Auf eine Formel gebracht:
Vitalkraft + Vorstellung = Emotion
Vitalkraft ohne Vorstellung ist reinigende Kraft

2. Gefühle

Gefühle haben nur mit sozialem Austausch zu tun. Ihr energetischer Ursprung befindet sich im Brustraum. Es sind völlig andere Energien als die Vitalenergien. Sie können nicht wie oben beschrieben „manipuliert“ werden. Sie bewegen sich auch nicht im Körper. Sie werden als stehende Wärme von den Menschen empfunden und strahlen zum anderen Menschen hin. Außerdem verfeinern sie die Gesichtszüge und schenken den Menschen die berühmten leuchtenden Augen. Wir fixieren die anderen Menschen nicht mehr, sondern schauen sie frei an.
Durch persönliche Verletzungen in der Kindheit sind die Gefühle jedoch bei den wenigsten Menschen frei. Meine Meditationslehrerin sprach von den Brocken hinter dem Brustbein, und ich glaubte viele Jahre, dass sie dies allegorisch meinte, bis ich mich selbst so weit kennen lernte, dass ich die Konkretheit in ihrer Aussage entdeckte.

Die – über Trauer und Weinen - nicht verarbeiteten Schmerzen aus der Vergangenheit haben sich oft als energetische Brocken hinter dem Brustbein festgesetzt und machen es uns nun unmöglich, echte Gefühle zu empfinden.

Dies entdeckten natürlich auch die alten Weisen und gaben uns Übungen, damit es uns möglich wird, die Brocken zum Schmelzen zu bringen. (Buddha empfahl das Mitgefühl, Jesus predigte die Nächstenliebe usw.). Doch mit diesen Übungen muss man vorsichtig und ehrlich umgehen, denn die Gefahr der Verdrängung ist hier vorprogrammiert. Das Ergebnis habe ich bei vielen Christen, aber auch Buddhisten, kennen gelernt. Statt mit den Gefühlen - und vor allem Emotionen - vertraut zu werden, setzen sie ein mentales Muss. Dadurch entsteht Gefühlsduselei oder orthodoxe Gesetzestreue. Von echten Gefühlen ist dann nichts mehr zu spüren.

Besonders auffällig war mir dies bei einer buddhistischen Nonne (Vipassana-Anhängerin), die ständig mit einem zarten Lächeln jeden anschaute, doch darin lag keine Wärme der Gefühle. Sie erzeugte in mir nur Aggressionen. Als ich dann ein von ihr geschriebenes Buch in die Hand bekam, wusste ich den Grund: Sie sprach nur von Geboten. Die Vipassana-Anhänger scheinen dieser Gefahr besonders zu erliegen. Dagegen sind die Tibeter völlig anders, und es ist sicher kein Zufall, dass die Emotionen bei den Vipassana-Anhängern verpönt sind und für Tibeter erlaubt. Bei den Tibetern geht es um die Umwandlung der Emotionen, und damit bin ich voll einverstanden. Umwandlung heißt hier: Die Emotionen in Mitgefühl verwandeln.

Formel:
Gefühle sind Schwingungen des Herzens, der Mitmenschlichkeit, des Ich-Du.

3. Empfindungen (siehe auch die Artikel unter „Transpersonaler Mensch“)

Die Empfindungen umfassen den ganzen Raum des Körpers und den Bereich darüber hinaus.
Unter Empfindung versteht man medizinisch die Sensibilität der Haut. Ihre Wahrnehmung wird über Nerven zum Gehirn gemeldet und dort registriert. Dies ist für mich nur die Grundlage dessen, was ich „Empfindung“ oder auch „Empfindungsbewusstsein“ nenne. Ich denke, alle Menschen haben diese Ebene schon erlebt, doch ist sie ihnen nicht bewusst geworden. Wer sie bewusst erlebt hat, wird das, was ich im Folgenden beschreibe, nachvollziehen können, die anderen eventuell nicht.

Um möglichst verstanden zu werden, möchte ich wieder einige Beispiele geben:
Wir sind in einer kleinen Gesellschaft, doch irgendetwas stört uns an der Atmosphäre: Wir fühlen uns unwohl. Die Energien der Empfindungsebene fließen nicht mehr frei, sondern signalisieren: Gefahr. Die emotionale Ebene reagiert mit wachem Misstrauen oder sendet den Impuls zur Flucht. Wir widerstehen vom wertenden Denken her diesem Fluchtimpuls und geraten dadurch in einen inneren Kampf. Dieser Kampf trennt uns noch mehr von der Gesellschaft. Dadurch steigert sich unser Unwohlsein. In uns macht sich Ablehnung und eventuell Wut breit, und wir finden jeden der Anwesenden unerträglich.

Die Empfindung kann ein Unwohlsein oder gar Ablehnung (inneres Abwenden) signalisieren und daraus entsteht die Emotion der Wut und Abwehr. Ist man mit der Empfindung über das Bewusstsein in Kontakt, dann weiß man sehr schnell, weswegen man sich unwohl fühlt und braucht die Wut nicht

Ein anderes Beispiel:
Wir gehen mit einer guten Freundin spazieren und unterhalten uns angeregt, plötzlich äußert sie den gleichen Gedanken, der in uns gerade auftauchte. Wir sind verblüfft. Über die Empfindungsebene wurde der Gedanke von einem zum anderen transportiert, aber vielleicht entstand er auch in beiden zur gleichen Zeit. Das ist kein Hellsehen. (Echte Hellseher arbeiten bewusst oder unbewusst über die gleiche Ebene. Die Karten oder die Handlinien sind nur Medien für sie.

Die Empfindungsebene erscheint mir wie eine Membrane, die der Persönlichkeit Reaktionen aus sehr tiefen Schichten des Menschen mitteilen will, wenn er empfänglich dafür ist. In diesen Schichten, den transpersonalen, sind alle Menschen miteinander verbunden. Das habe ich oft selbst erlebt

Ein Beispiel dazu:
Ich hielt mich wegen Therapiestunden im Hochschwarzwald auf. Während einer Sitzung bekam ich eine unbändige Wut auf meine damalige Lebensgefährtin. Zur gleichen Zeit stand sie vor einem Schaufenster eines Kölner Geschäftes und überlegte, ob sie etwas kaufen solle. Da spürte sie plötzlich eine ungeheure Wut auf mich in sich aufsteigen, obwohl sie überhaupt nicht an mich gedacht hatte. Da sie ebenfalls meditativ geschult war, fiel ihr das Unwirkliche dieser Situation auf, und sie rief mich abends an, um zu fragen, was bei mir zu diesem Zeitpunkt los gewesen sei.

Ich bin sicher, ihre Empfindungsebene hatte auf meine ausgesendete emotionale Wut reagiert und ihre Vitalkraft mobilisiert. Diese aktivierte das Gehirn und beide gemeinsam lieferten ihr das Ziel: Wut auf mich.
Gerade über dieses Phänomen des Sendens wurde in der Kriegszeit oft gesprochen, wenn Mütter oder Ehefrauen in der Heimat im gleichen Augenblick wussten, dass ihre Söhne oder Ehemänner im Krieg starben.

Formel: Empfindungen kennen keine Entfernungen, auch keine Zeit. Sie sind im Hier und Jetzt. Über sie leben wir immer und mit allem in ständigem Kontakt

Resultat:
Ich glaube fest daran, dass die Menschen erst in echtem Frieden miteinander leben können, wenn sie so weit mit ihrem Inneren vertraut sind, dass sie diese drei Ebenen in sich voneinander trennen können und die Gefühlsebene von ihren Brocken befreit haben. Viele Streitereien unter Partnern, das Mobbing in den Firmen und selbst die Kriege fielen weitgehend weg, und echte Aus-einander-setz-ungen könnten stattfinden. (Sich-auseinander-setzen und miteinander diskutieren. – Wir sagen irrtümlicher Weise „Wir setzen uns zusammen und besprechen dies oder das.“)

Ich möchte aber noch einmal ausdrücklich darauf hinweisen, dass dieser Weg nur über das Körperbewusstsein geht. Meine Meditationslehrerin, Hetty Draayer, nannte es bezeichnender Weise: Wir (als Bewusstseinswesen) müssen den Körper bewohnen, erst dann kommen wir in kosmische Räume. Ich empfehle aus meiner Erfahrung heraus ihre Imaginationsübungen auf den angebotenen CDs dieser Webseite.  

 

 

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