Meditation im Café
(Text vom 03.02.2003)
Ihr sitzt in einem Cafè und nehmt wahr, dass ihr auf einem Stuhl sitzt,
und dass ihr mit dem Rücken die Stuhllehne berührt. Diese Wahrnehmung
bleibt im Vordergrund und von ihr her betrachtet ihr die Menschen und Situationen
um euch herum oder auf der Straße.
Ist man darin geübt und an diesen Zustand gewöhnt, so geschieht folgendes:
1.
Ihr spürt den Zustand des Menschen, der sich in seiner individuellen Art
in eurem Blickfeld bewegt, in euch. Nun kann man experimentieren: Ihr schweift
von Person zu Person und spürt jeweils, was sich in eurer Empfindung verändert.
Gleichzeitig beobachtet ihr eure Gedanken und untersucht, womit sie sich so
beschäftigen. Ihr werdet feststellen, dass sie voll von Projektionen sind.
Sobald ihr in Projektionen seid, ist die Wahrnehmung des Kontaktes zum Stuhl
- und somit zu eurem Körper und der Empfindungsebene - unterbrochen.
2.
Die Haltung der Menschen, ihr Gang und die Art wie sie sprechen, ruft die verschiedensten
Reaktionen in eurem Mentalen hervor. Dieses Mentale beeinflusst wieder eure
Empfindung. Nun sind es nicht mehr die Menschen, die in euch Empfindungen hervorrufen,
sondern eure Projektionen und Bilder. Nun kann man erforschen, wie sich diese
Projektionen von selbst ändern, wenn ihr wieder empfindungsmäßig
Kontakt mit eurem Körper (auf dem Stuhl sitzend) aufnehmt.
3.
Als weiteres können wir erfahren, wie sich von Person zu Person unsere
Emotionen verändern. Mal werden wir freudig erregt, mal wenden wir uns
angewidert ab, mal richten wir uns innerlich auf, mal ducken wir uns innerlich
"angstvoll".
Nun gehen wir ein wenig "tiefer" und beobachten das Entstehen und
Vergehen der einzelnen Emotionen. Wir werden mit der Zeit feststellen, dass
diese Emotionen reine energetische Zustände sind, die sich immer wieder
neu formen. Wir werden feststellen, dass die Emotionen in einem ständigen
Wechsel sind, nicht so stürmisch wie das Mentale, zäher, doch beweglich
wie das Wasser. Wir erkennen, dass es völliger Unsinn ist, wenn die Menschen
sagen: Heute geht es mir nicht gut. Ich bin etwas depressiv gestimmt. In diesem
Fall halten sie sich an ihrer "Depression" fest und lassen sie nicht
los.
Alle drei Ebenen unserer Persönlichkeit können somit in der halben
Stunde des Cafebesuches wahrgenommen und erforscht werden. Das Wichtige dabei
ist für mich jedoch, dass wir jeweils auf den Ausgangspunkt unserer Persönlichkeit
stoßen: Unsere Empfindung ist unser Sein, aus dem die Gestalten unserer
Zustände immer wieder neu geformt werden und in die sie sich wieder auflösen,
wenn wir sie lassen.
Das ist für mich Meditation. Sind wir daran gewohnt, immer wieder mit
dieser Seinsebene in Kontakt zu kommen und schließlich aus ihr heraus
zu leben, so fällt es uns nicht schwer, in den wenigen Augenblicken, die
uns zur Verfügung stehen, tiefer zu meditieren und andere Ebenen des Seins
in uns zu erforschen.
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